Wer legt eigentlich die Normen fest?


 oder
– Nachdenken über Voll- und Teilzeitarbeit und warum viele Menschen ihrem Traum vom weniger Arbeiten nicht nachgehen –

Zuvor: Mir ist bewusst, dass es nicht wenige Menschen gibt, die 40 Stunden und mehr arbeiten, aber so wenig verdienen, dass sie sogar Geld vom Staat dazu bekommen, um halbwegs über die Runden zu kommen. Diese Situation ist in meinen Augen unerträglich. Nicht, dass sie Geld vom Staat, also Steuergelder ausgezahlt bekommen, sondern dass sie so wenig Geld für ihren Job bekommen. Meist sind das auch noch echte Knochenjobs. Ich ziehe meinen Hut vor diesen Menschen!!

Die sinngemäße Niederschrift eines Gespräches von vor ein paar Tagen:

ich:  Ich arbeite nur Teilzeit. Sie erreichen mich an 2 ½ Tagen telefonisch oder  schreiben Sie mir ein E-Mail. Ich rufe Sie dann an meinem nächsten Bürotag zurück.
mein Gegenüber: Sie arbeiten nur Teilzeit? Wieso? Ist da nicht genug Arbeit? Oder ist´s wegen der Familie?
ich: Weil ich nicht mehr arbeiten will.
Mein Gegenüber sieht mich verständnislos an und schüttelt den Kopf.

Vor einiger Zeit bei einer ähnlichen Situation wurde ich gefragt, ob ich immer noch Teilzeit arbeite, oder ob ich jetzt Vollzeit arbeiten kann.
_ _ _ _ _ _

In dem Land, in dem Fleiß als Tugend gilt, ist es scheinbar völlig unbegreiflich, dass man „ohne Grund“ nicht Vollzeit arbeitet.

Was ist Vollzeit?

40 Stunden pro Woche, oder 39. Wenn von der Gewerkschaft ausgehandelt auch 36 oder 35  Stunden. Das ist alles Vollzeit.

Wer legt fest was Vollzeit ist?

Die Regierung?  Die Gewerkschaft? Die Firma?
Von Vollzeitarbeit spricht man, wenn ein Arbeitnehmer die Zahl der Stunden arbeitet, die im Betrieb üblich sind. Arbeitet jemand weniger als die üblichen Stunden, arbeite er in Teilzeit.
Also Schlussfolgerung: Was Vollzeit ist, legt der Arbeitgeber mit oder ohne Mitarbeit der Gewerkschaft fest.

Viele Areitnehmer haben den Wunsch weniger zu arbeiten. Warum tun sie es dann nicht??

Weil es alle so machen? Weil man sonst aus dem Rahmen fällt? Weil man sich sonst nicht das teuere Auto leisten kann? Weil man dem Nachbarn sonst nicht zeigen kann, wie gut man verdient? Aus Angst als faul angesehen zu werden? Aus Angst vor dem Knick in der Karriereleiter?

Natürlich ist der Schritt nicht einfach. Man muss mit dem Chef reden, der einen dann womöglich als faul oder nicht mehr leistungsfähig hält. Man muss vielleicht sogar die Stelle wechseln. Man verdienst weniger Geld.

Aber ist es nicht wichtiger auf SICH SELBST zu hören. Darauf zu achten, dass es einem gut geht?

Ist die Hürde unüberwindbar oder fehlt eher nur der Mut?

Seine Arbeitszeit zu reduzieren, hat meist tiefgreifende Veränderungen zur Folge. Aus Gesprächen mit Bekannten und Freunden weiß ich, dass das viele abschreckt. Viele denken darüber nach, zweifel daran so weiter leben zu wollen, zählen die Tage bis zur Rente (schon Jahre vorher), aber trauen sich nicht den ersten Schritt zu machen.
Wir leben doch aber JETZT!

Eine Entscheidungshilfe kann sein, sich klar zu machen, wo für einen persönlich die Vor- und Nachteile darin liegen. Um die Entscheidung anschließend nicht zu bereuen, ist es ist wichig, ehrlich zu sich selbst zu sein! Nicht nur die Vorteile, auch die Nachteile betrachten!

Vorteil Nachteil
mehr Freizeit weniger Geld für Lebenshaltung, Wohnung, Anschaffungen, Urlaub
mehr Ruhe / Gesundheit das Mehr an Zeit will sinnvoll genutzt werden (Eigenverantwortung)
mehr Zeit für mich Alternativen zum Geld ausgeben finden
mehr Zeit für Hobbys der Erwartungshaltung des Umfeldes (z.B. Kollegen) entgegentreten

Auch sollte man Antworten auf solche Fragen wie:

Was sagt meine Familie dazu?
Wie sag ich´s meinem Arbeitgeber?
Bin ich bereit, Kompromisse zu meinem bisherigen Leben einzugehen?
Was mache ich mit der gewonnenen Freizeit?
Was wird sich für mich konkret ändern und wie gehe ich damit um?

zu beantworten. Dazu sind tiefgreifende und lange Gespräche mit Vertrauenspersonen oder anderen Downshiftern hilfreich.

Die Hürde ist nicht unüberwindbar, aber die Latte hängt recht hoch. Eine gute Vorbereitung ist wie ein gutes Training um den richtigen Absprung zu schaffen.

Allen, die vor der Entscheidung stehen, wünsche ich viel Glück, starke Nerven und Ausdauer. Ihr schafft das!

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Schreibt mal, wie es euch mit Voll- oder Teilzeit geht! Wer hat Erfahrungen mit Downshifting?

 

 

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2 Kommentare zu „Wer legt eigentlich die Normen fest?

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