Nachdenken über „Luxus“

Mich haben heute gleich zwei Dinge zu diesem Artikel angestupst:
Das eine war eine Aussage der ich begegnet bin: „aber einmal im Jahr gönnen wir unserer Familie den Luxus dieses Hotels, wo ich nicht einkaufen und kochen muss, wo auch das Kind sich einfach wünschen kann, was es essen mag und dies zubereitet bekommt.“
Die andere Sache war ein Liedtext der österreichischen Gruppe EAV, die meines Erachtens zu Unrecht in Deutschland eher als Gruppe mit Blödeltexten verkannt werden.  Das Lied heißt Am rechten Ort und ist aus dem aktuellen Album. Dabei geht es darum, dass viele von uns nicht wertschätzen, in Frieden, mit Meinungsfreiheit und die meisten in materiellem Überfluss zu leben. Statt dessen wird viel zu viel geklagt.

Geht es uns nicht gut???
Wir haben immer sauberes Trinkwasser, immer ausreichend zu essen. Inzwischen erblickt die vierte Generation Europäer das Leben in Frieden! Wann und wo gab es das schon mal?

Wir haben Gesetze und Gewerkschaften, die unsere Arbeitsbedingungen überwachen. (Ok. Hier gibt es Schwachstellen, keine Frage! Aber im Vergleich zu Bangladesch z.B ???)

Wir klagen über Luftverschmutzung und Dieselskandal auf sehr, sehr hohem Niveau. Dabei habe ich die Bilder von Kindern im Kopf, die auf wilden Müllkippen in Afrika unseren ! Computerschrott verbrennen, um sich mit dem bisschen verwertbaren Metall, was sie daraus gewinnen, etwas Geld für Lebensmittel zu erwirtschaften. Die Kinder verrecken eledig an den giftigen Plastikdämpfen, die bei ihrer Arbeit entstehen.

…und dem mit Sicherheit gut genährten deuschen Kind gönnt man wenigstens einmal im Jahr den Luxus eines Hotels, wo es sich aussuchen kann, was es isst. Ist das wirklich so? Ich bin mir sicher, dass auch dieses Kind im Rest des Jahres nicht am Hungertuch nagt.

Wir sollten öfter mal über unseren Tellerrand schauen um zu sehen wie gut es uns geht! Dabei ist es -so finde ich- hilfreich, den eigenen Nachwuchs nicht all zu sehr in Watte zu packen, sondern so bald es geht in die weite Weil hinaus zu schicken, um die Unterschiede zum reichen Deutschland mit eigenen Augen zu sehen. Reisen bildet und erweitert den Horizont. Vorausgesetzt man reist nicht in ein Hotel wo man mit den AI-Bändchen für das  Handgelenk empfangen wird. Reisen bildet, wenn man sich mit den Gegebenheiten des wahren Lebens dort vor Ort auseinandersetzt.

Wenn ein 14jähriger bei der Ausreise an der Grenze zu seinem Aufenthalt im Land befragt wird. Wenn er miterlebt, dass seine Mitschüler vor dem Besteigen eines Busses abwarten, bis der Bus als bombenfrei freigegeben wird.
Wenn eine 20jährige auf dem Balkan sieht, wie die Füchtlinge unter katastrophalen Umständen im Stadtpark hausen und sie selbst gleichzeitig einen Hostelschlüssel, eine Kreditkarte und einen Pass, der es ihr erlaubt ohne Hindernisse in die EU einzureisen,  in der Tasche hat.

Zugegeben, das sind zwei recht krasse Beispiele, aber solche Erfahrungen sind wertvoll für Menschen, die in einem Land wie Deutschland aufgewachsen sind, um zu sehen wie gut es uns geht.

Oder ist Luxus doch nur ein anderer Ausdruck für finanzielles Maximum??

Ein Kommentar zu „Nachdenken über „Luxus“

  1. Ich danke dir für diesen tollen Beitrag. Das. sind auch Gedanken, die uns durch den Kopf schwirren und mich manchmal traurig und nachdenklich werden lassen.
    Wir jammern hier auf hohem Niveau, aber ändern oder über den Tellerrand schauen? Das tun nur die wenigsten Menschen. Das finde ich unheimlich schade.
    Ich habe aber die Hoffnung, dass wir durch unsere Blogs mehr Menschen erreichen und sie zum Umdenken anregen.

    Lieben Gruß,
    Jani

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